Internet per Funk

Seit dem 1. März 2010 läuft für 100 Testhaushalte in der Gemeinde Schnaitsee (Bayern), genauer gesagt im klienen Weiler Dirnreit bei Schnaitsee, das Pilotprojekt "Mobiles Breitband-Internet über Rundfunk-Frequenzen".

Nach jahrelangen Beschwerden über mangelnde Internet-Verbindungen auf dem Land ist in Schnaitsee (Kreis Traunstein) nun das Modellprojekt angelaufen. Die Realisierung erfolgte durch Vodafone. In einem Gebiet in dem weder DSL noch Glasfaser verlegt wurde, ist das ein deutlicher Fortschritt und sehr schön für die Gemeinde. "Selbst kleinere Orte bekommen damit eine Perspektiven für den Zugang zu schnellen Datenautobahnen", sagt die Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel von der FDP. Der Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) hatte zuvor an die Kommunen appelliert, auf die Verlegung von Glasfaserverbindungen zu verzichten und statt dessen sich auf Funkverbindungen einzulassen.

Mit diesen Tests steht Vodafone nicht allein im Feldversuch. Auch ePlus und die T-Mobile testen in den östlichen Bundesländern. ePlus testet zusammen mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern, der dortigen Landesrundfunkzentrale sowie dem Telekommunikationsausrüster Ericsson in einem Praxistest in Grabowhöfe an der Mecklenburgischen Seenplatte. 

Die für den Test notwendigen Frequenzen wurden von der Bundesnetzagentur freigegeben. Die genutzte Technik habe sich bereits im Ausland bewährt, so Carsten Ahrens, Geschäftsführer von Ericsson Deutschland. Deshalb gehe es bei dem gemeinsamen Projekt auch nicht um die technische Machbarkeit, sondern vielmehr darum, das Nutzerverhalten und die notwendige Dimensionierung eines mobilen Breitbandnetzes unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu analysieren.

Bis zu 7,2 MBit/s soll die Datenübertragung leisten können.

Des einen Freud ist des anderen Leid. Denn während das Mobile Breitband-Internet über Rundfunk-Frequenzen der ländlichen Bevölkerung den Weg ins Internet eröffnet - was zweifelsohne eine technisch sehr gute Lösung darstellt - wird andererseits damit auch die Digitale Dividende damit verspielt. Denn Funkfrequenzen sind ein äußerst knappes Gut. Nicht umsonst werden damit bei Versteigerungen Milliarden in die Bundeskassen gespült und einige wenige Oligopolisten teilen sich den Markt untereinander auf.

Auf der Strecke bleiben die Tetra-Frequenzen und die Erweiterung auf TEDS. Die massiv gestiegene Nachfrage nach weiteren Tetra-Frequenzen wird im professionellen Umfeld von der BNetzA blockiert, weil sie selber keinen Handlungsspielraum mehr hat. Wie sagte ein Vertreter von der BNeztA so schön: "...wir werden als Propheten im eigenen Haus nicht gehört....die Entscheidung liegt beim Wirtschaftsministerium..."

Das würde, wenn es wirklich so wäre, im Klartext bedeuten, dass die BNetzA "nur Verwalter" wäre und nicht mehr bei der Vergabe von Frequenzen sinnvolle Vorschläge unterbreitet. Ist dem wirklich so?

Jedenfalls werden damit die industriellen Interessen - die wir als AIB e.V. und diverse andere Verbände wie z.B. der PM e.V. vertreten - torpediert. Das können wir so nicht hinnehmen und fordern die Verantwortlichen auf, sich mit den Vertretern der jeweiligen Verbände zum Dialog zu treffen, um eine Lösung aus der Sackgasse zu finden.